Hambi bleibt!

Media

Mehrere tausend Hektar Wald wurden bereits durch den Braunkohleabbau im Hambacher Forst durch RWE vernichtet. Nun steht nur noch ein kleiner Teil dieses Jahrtausende alten artenreichen Mischwaldes - und auch dieser soll einer nicht mehr zeitgemäßen und unnötigen Energiegewinnung zum Opfer fallen.

Seit Juni '18 tagt in Berlin die Kohlekommission, besetzt mit Vertretern aller Beteiligten, die Verantwortung an einem baldigen, sozialen und geordneten Kohleausstieg übernehmen wollen und sollen. Doch dies interessiert weder RWE noch die Landesregierung von NRW! Sie wollen durch die Rodung des restlichen Hambacher Forstes die Vorraussetzung dafür schaffen, dass RWE mit Kohle weiter Kohle machen kann, obwohl u.a. auch das Frauenhofer Institut in einer Studie nachweist, dass diese Rodung durch den Strombedarf nicht begründet werden kann. Darum, und durch die komprommisslose Räumung des Waldes ist nun der Hambacher Forst auch zu einem Maßstab und Symbol für einen glaubwürdigen Kohleausstieg geworden, wie seit dem Klimagipfel 2015 in Paris beschlossen. So war es für uns schnell klar, dass Leute aus unserer Gruppe zur Großdemo am 06. Oktober zum Hambacher Forst fahren, um unsere Solidarität und unseren Willen zum Kohleausstieg  zu bekunden.

Auf der Großdemo

Also, wer fährt mit? Einchecken beim Sonderbus vom BUND. Schnell noch eine Mobilisierungsaktion in Reutlingen durchführen und dann? Uns erreicht die Meldung, die Demo sei verboten! Was nun? Schnell steht fest: Die Busse fahren trotzdem und wir mit ihnen! Und dann am Freitagmittag gleich zwei Toppnachrichten. Per einstweiliger Verfügung wird die Rodung untersagt und die Demo doch genehmigt!
 
So ging es am 06. Oktober in der Frühe auf die Fahrt zum Hambacher Forst. Zuerst fuhren wir noch zur Aussichtsplattform Terra-Nova, von hier kann man den Tagebau gut überblicken. Ich hatte schon viele Bilder vom Braunkohletagebau gesehen,aber wenn man wirklich davor steht, verschlägt es einem aufgrund der Dimensionen doch die Sprache. Auf mehrere Kilometer Länge und Breite wird das Erdreich abgetragen um in mehrere hundert Meter Tiefe die Braunkohle zu fördern. Und das frisst sich langsam aber stetig durch die ganze Landschaft. Ohne Rücksicht auf Dörfer, Felder und Wälder  mit ihrer Artenvielfalt. In einem größeren Umkreis wird der Grundwasserspiegel abgesenkt um die Grube trocken zu halten.
 
Auch die jungen Ausgleichsaufforstungen waren zu sehen. Bis das einmal ein so stattlicher Wald sein wird, werden mehrere hundert Jahre vergehen, wenn überhaupt!
 
Danach fuhren wir zum Busparkplatz in ein kleines, verlassenes "Geisterdorf". Die Bewohner wurden bereits umgesiedelt, da auch dieses Dorf, wie schon viele andere, der Kohle zum Opfer fallen soll. Aus allen Richtungen strömten Tausende von Menschen und gingen die vier Kilometer zum Kundgebungsplatz dichtgedrängt zu Fuß.
 
Hier bot sich ein buntes und friedliches Bild von Fahnen, Spruchbändern und kreativ   gekleideten Menschen. Die erhoffte Teilnehmerzahl von 20.000 wurde mit annähernd 50.000 weit übertroffen! Die Polizei hielt sich im Hintergrund und griff auch nicht ein, als Tausende über den "Highway to Hell" durch den Forst zogen. Als "Highway to Hell" wird der Waldweg bezeichnet, der angelegt wurde, um von ihm aus die Baumhäuser zu räumen und zu vernichten. Auch wir liefen zu zweit am  Schluss der Kundgebung über diesen Weg durch den Forst.

Beim Waldspaziergang

Und hier spürte man, dass es ein besonderer Ort ist. Überall Spuren der Räumung, viele Bäume mit kleinen Plakaten die Bezug nehmen auf das, was hier geschieht. Dazwischen Menschengruppen, die auf dem Waldboden sitzen, Lieder singen und zeigen "dieser Wald liegt uns am Herzen und wir wollen ihn erhalten". Auch, dass der Kampf um diesen Wald und den Kohleausstieg weiter geht, war hier zu erkennen.
 
Ich kam auch mit einem einheimischen Ehepaar ins Gespräch. Die Frau wurde in jungen Jahren auch umgesiedelt, da das Dorf in dem sie lebte, durch den Tagebau aufgefressen wurde. Einige Jahre später musste sie mit ihrer Familie auch diesen Ort verlassen, denn sie wurde zum zweiten Mal umgesiedelt. Als wir gingen, rief sie noch ein "Dankeschön dass ihr da wart" hinterher.
 
Zweifellos hinterließ der Blick in den Tagebau und der Gang durch den Forst bei mir den größten Eindruck und ließ mich auf der Heimfahrt gedanklich nicht los.

Weiterführende Links

Fahrplan für die Zukunft: Energiesicherheit auch ohne Kohle
13 things you should know about 1.5 (vs. 2°)
Weggebaggerte Dörfer wegen Garzweiler - sehenswerte Dokumentation