Besuch WEA Drackenstein

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Am 23. Juli 2020 besuchten Mitglieder des Bündnis 90 die Grünen aus Engstingen und Münsingen, sowie Mitglieder der Greenpeace Gruppe aus Münsingen unter der Führung von Herrn Marx, einem Mitglied des BWE (Bundesverband WindEnergie) die Baustelle des Windparks Drackenstein. 
 
Vor Ort angekommen erlebte die Gruppe zunächst eine kleine Enttäuschung. 
Was war geschehen: Lt. Ankündigung sollten die Flügel gezogen, sprich an der Rotornabe angebracht werden. Doch bei der Ankunft waren die Aufbauarbeiten bereits abgeschlossen und der Flügelgreifer wurde gerade herab gelassen. 
Zügig formierte sich die Gruppe aus den ankommenden Fahrgemeinschaften. Die mitgebrachte Sicherheitskleidung würde angezogen und alle in die geltenden Sicherheitsregeln eingewiesen. 
So groß sind die Windenergieanlagen doch garnicht, dachte der eine oder andere als die technischne Daten vorgetragen wurden: 
Wir sahen vor uns einen Windpark mit 4 optisch komplett fertige Windrädern, bei einem fehlte noch die Gondel mit Nabe und den Flügeln. 
Es sind Windenergieanlagen des Herstellers Nordex aus Hamburg Typ N131 mit einer Leistung von 3.3 MW. Die Nabenhöhe beträgt 164 m bei einer Gesamthöhe von 229,5 m. Die Anlagen sollen aus Wind ca.43,5 Millionen  kWh Leistung in elektrischen Strom wandeln, womit  jährlich ca. 14500 Haushalte versorgt werden sollen. Dies führt zu einer vermeidung von etwa 23 800 t Kohlendioxid. Dazu haben die Betreiber 5,6 Millionen Euro je Windrad investiert. Zwei Windräder werden von dem Albwerk Geislingen und 3 Windenergieanlagen von Planet Energy, dem Kraftwerksplaner für Greenpeace Energy, erstellt. Der dritte Partner im Bunde ist die Firma Megawatt, einem Konstruktionsbüro aus Stuttgart. 
Kurzzeitig wurde auch beim Bau eines Fundamentes das Archäologische Amt tätig. Es konnte eine bisher unbekannte Siedlung der späten Bronzezeit lokalisiert werden. Dabei fanden sich zahlreiche Pfostengruben von Holzhäusern, die in Pfostenbautechnik errichtet wurden. Das keramische Fundgut ist sehr kleinteilig und weist auf die spätbronzezeitliche Urnenfelderkultur (zwischen 1000 bis 800 v. Chr.). In dieser Zeit wurden die Toten verbrannt und in Urnen beigesetzt. Das Ende der Urnenfelderkultur markiert den Beginn der Eisenverhüttung und auch den Beginn der frühen Keltenzeit in unserem Raum.
 
Direkt vor dem Windrad angekommen, war die Gruppe dann doch von der Größe sichtlich beeindruckt. Vom Bauleiter vor Ort konnte man erfahren, dass der Aufbau heute besonders zügig vorangeschritten sei und man daher schneller fertig wurde als geplant. Der nächste Schritt nun ist das Ablegen des langen Kranarmes. Dies würde wesentlich länger dauern als das aufrichten. Hierzu fährt der Kran im unteren Bereich einen Greifer zu einem etwas entfernt stehenden Lastenblock aus, um sich dort einzuklinken und die für das Absenken des Hubarmes notwendige Gegenkraft zu erhalten.
Unser Blick wanderte wieder zum gerade errichteten Windrad während uns der grobe Aufbau dieser Windanlagen erläutert wird: Auf einem soliden, optisch recht kleinen, Fundament wird ein aus vielen halben Betonringen zusammengesetzter Betonturm zusammengebaut. Ab etwas mehr als der hälte wird die "Resthöhe" mittels 2 zusammenzusetzenden und im Werk vorgefertigten Stahlrohren erreicht. Zwei dieser Röhren für einen Turm konnten auf dem Weg besichtigt werden. Vorsichtig wurde die SChutzplanen  an den Enden weggezogen und die Gruppe konnte die Leiter mit Fallschutzvorrichtung, den Zwischenboden und die Kabelführungen mit bereits vorbereiteten Kabeln ansehen.
 
An der neuen Windenergieanlage angekommen wude auch auch der Innenraum mit seinen technischen Einrichtungen angesehen. Bei diesen Großen Windenergieanlagen kann man heutzutage per Aufzug, hier Befahreinrichtung genannt, bis 3 m unter die Gondel fahren. Schlicht und einfach fast wie ein Schuhkarton nur größer der mittels einem kleinen Motor an einem Seil nach oben oder wieder hinab transportiert wird. Gesichert durch ein zweites Sicherungsseil. 
An den Aussenwänden sah man viele Kunststoffrohre von oben kommend. Hierzu wurde uns erklärt, dass die Türme aus Einzelteilen zusammengesetzt und durch Stahlseile in den Kunststoffröhren zusammengehalten werden. 
Auch die Erläuterung der elektrischen  Anlage klang sehr interessant:  
vom Generator in der Gondel kommt die elektrische Energie in einen unten im Fuss befindlichen befindlichen Umrichter, der eine definierte Spannung an einen Transformator weiterleitet. Von dort kann über eine Schaltereinheit die Leistung an die Aussenwelt angeschlossen bzw. übergeben werden.
 
Mittlerweile ist auch der Bürgermeister von Drackenstein,  Herr Lang zur Gruppe gestossen. Von Ihm konnte man erfahren, dass das Projekt bei den Bürgern gut angekommen ist. Vom ersten Moment an war die Akzeptanz durch die Bürger sehr hoch. Wir wollen keinen Strom aus Atomkraft oder Kohle. Da ist die Kombination aus Windkraft und unseren Solaranlagen auf den Dächern doch fast ideal. Die Anlagen fallen auch kaum ins Auge, wenn man sich nicht gerade darauf konzentriert. Man sah Herrn Lang an, dass er wegen der Anlagen keinen Stress hatte, sondern souverän alle Fragen beantworten konnte. Auch die Fragen zu den Umweltauflagen brachten Ihn nur dazu mitzuteilen, dass sein, der Windkraft zunächst skeptisch gegenüberstehndem, Förster einen bewohnten Fuchsbau neben bereits vorhandenen Windrädern gesichtet hätte und dieser sich so positiv zu den Anlagen äußerte. 
 
Nach diesen doch positiv stimmenden Ausführungen und einem Hinweis auf den Feierabend  begab die Gruppe sich wieder nach draussen, wo doch noch der Tierschutz ein Thema blieb. Der Rotmilan sei hier nicht im unmittelbaren Umfeld aufgetreten. Als Schutzmassnahme darf In einem Radius von 300 m um die WEA  u.a. kein Mist gelagert werden (Zeitraum 01. März – 31. Oktober). Auch sind während Bodenarbeiten im 300 m Radius (Ernte, Mahd, etc). die WEA während der Maßnahme und sowie an den drei darauffolgenden Tagen abzuschalten.
In einem Umkreis von 115,5 m um die WEA, wird das Umfeld unattraktiv für die Rotmilane gestaltet. Sprich: Es sind hoch aufwachsende, dicht schließende Kulturen anzubauen (Wintergetreide, Winterraps, etc.). Auch dürfen in der Mastfußumgebung Grünlandflächen vom 01. März bis zum 31. August nicht gemäht werden.
Schutz Fledermäuse: Es wird ein Gondelmonitoring an den WEA durchgeführt.
Aber auch für Winterliche Besuche besteht ein SChutz: 
Um Eisschlag zu verhindern werden die einzelnen Anlagen auf Unwucht überwacht und bei Bedarf abgeschalten und zwar solange, bis das Eis wieder von den Rotoren abgetaut ist.
 
Auf dem Rückweg wurde der abgelegte Hebearm des Krans besichtigt. Es dauert schon etwas Zeit, bis man von der Lafette des Hubarms bis zum oberen Anfang des Arms kommt. Abgelegt ist der Kranarm so ca. 210m lang. 
 
Also doch nicht so klein wie anfangs gedacht. Für uns eine interessante und informative Fahrt, wie es auch sein kann, wenn die Menschen an einem Strang ziehen.  Vielen Dank an den Baustellenleiter und Herrn Marx vom DWE.

Weiterführende Links

Greenpeace-Windpark-Anteil
Wissenswertes zur Energiewende von Greenpeace-Energy
Infos zur Greenpeace-Energy Genossenschaft