#wellemachen gegen Plastikmüll

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"Was macht ihr denn da? Bei uns räumen das die Kinder auf", sagte ein Kurgast in Bad Urach, der unsere Fluss-Säuberungsaktion an der Erms am 19. März beobachtete und auf die Plastiktüte in der Hand eines im Fluss stehenden Aktivisten deutete. Das trifft die allgemeine Lage zum Thema Plastikmüll sehr gut, denn jährlich wandern Zig Millionen Tonnen Plastikmüll ins Meer und wir überlassen die Säuberung der kontaminierten Gewässer kommenden Generationen (siehe das eingebettete Video oben). 65 Greenpeace Gruppen säuberten deshalb an diesem Wochenende deutschlandweit Gewässer von Plastikmüll - wir die Erms in Bad Urach: #wellemachen gegen Konsummüll aus Plastik.

Plastikmüll in Gewässern - doch nicht von uns!

Hat dieser Müll, der in riesigen Müllstrudeln in den Ozeanen treibt, etwas mit uns zu tun? In einer kleinen, aufgeräumten, schwäbischen Kurstadt wie Bad Urach, gelegen am Fuße des Biosphärengebiets Schwäbische Alb, einer Region mit Premiumwanderwegen und einer viel gepriesenen, intakten Natur scheinen die Müllstrudel weit weg zu sein. Wir wollten es genauer wissen und sehen, wieviel Müll wir aus dem malerischen Flüsschen Erms bergen würden, das ein paar Kilometer weiter talaufwärts in einer wunderschönen Karstquelle entspringt. Wir säuberten den Fluss und sein Ufer auf einem Abschnitt von circa einem Kilometer (siehe Bilderstrecke). Das Ergebnis überraschte uns selbst: Am Ende einer dreistündigen Putzaktion hatten wir 1,5 Kubikmeter Müll aus dem Fluss gezogen, das meiste davon Plastik. 

Kleinstteile entstehen schon an der Quelle

Alles nicht so wild, denn das wird von den Rechen der Wehre heraus gefischt, bevor es im Meer landet. So könnte man denken. Wenn man aber knietief in diesem Plastikschlick in der Uferböschung watet, zeigt sich ein anderes Bild. Das Plastik, das sich überall in den Zweigen im Uferbereich findet, ist häufig bereits in kleinere Teile zerlegt. Wir sahen uns die Erde im Uferbereich genauer an und sahen, dass kleine Plastikpartikel - hauptsächlich Fetzen von Plastiktüten, aber auch beschichtete Teile von Verpackungen und vieles mehr - überall in das Ökosystem Eingang gefunden hatten (siehe Bilderstrecke). Diese Partikel sind bereits so klein, dass sie von der Strömung geradewegs Richtung Meer getragen werden können. Die Müllstrudel beginnen also hier, direkt bei uns.

Hotspots des Mülleintrags

Die durchschnittliche Nutzungsdauer einer Plastiktüte liegt bei weniger als 30 Minuten, die eines Plastikhandschuhs, wie er zum Tanken verwendet wird 1-2 Minuten, einen Coffee-to-Go Becher benutzen wir 1-5 Minuten. Diese Plastikprodukte benötigen aber 100-500 Jahre, um wieder zu zerfallen. Wir erwähnen insbesondere diese Produkte, weil bei unserer Flussreinigung offensichtlich wurde, dass der Eintrag in die Erms unmittelbar dort erfolgt, wo Konsumenten diese Produkte kaufen - und offensichtlich sofort wieder in die Natur entsorgen. Die Tankhandschuhe in der Uferböschung hinter der Shell Tankstelle bedeckten den Boden so dick, dass eine geschlossene Plastikschicht über dem Boden lag. Diese Handschuhe sind übrigens so leicht, dass der Wind sie sofort verwehen kann. Auch hinter dem Zaun der Jet Tankstelle kamen wir vor lauter Müll kaum voran. Hier waren es vor allem die Coffee-to-Go Becher, frei nach dem Motto: Über den Zaun und aus dem Sinn. Am Discounter "Treff 3000" schließlich waren es Tüten und Verpackungen, die direkt in die Erms entsorgt werden.

Leere Versprechungen?

Der Filialleiter der Jet Tankstelle versprach im Gespräch, sich mit der  Jet-Zentrale in Hamburg zu beraten, was man gegen den Mülleintrag der To-Go-Becher tun könne. Hoffen wir, dass den Worten Taten folgen! Unser Tipp: Konsumenten sollten Kaffee gar nicht erst im Wegwerfbecher kaufen, und der Verkäufer sollte Getränke zumindest auch in normalen Tassen anbieten. Dann kann man sich mit seiner Tasse auch an die jetzt wieder für kurze Zeit saubere Erms setzen und diesen wunderschönen Bach genießen. 

Weiterführende Links

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