Nationalpark Schwarzwald

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Am 2. Sept. 2017 war für uns Mitglieder der Greenpeace-Gruppe Münsingen die Nacht früh vorbei. „Nationalpark Schwarzwald“, genauer gesagt das Informationszentrum Ruhestein war das Ziel. Nachdem sich schon einige Mitglieder zu früheren Zeitpunkten an Veranstaltungen für den Nationalpark eingesetzt hatten, war es natürlich auch interessant zu erfahren, was daraus geworden und wie es um die Sache steht.

Gemeinsam erreichten wir gegen 10:00 Uhr nach einem Regenguss, bei abtrocknendem Wetter das Informationszentrum Ruhestein, wo wir vom Nationalpark-Guide Luis Scheuermann begrüßt wurden. Bei einem fast einstündigen Vortrag wurde zunächst der lange Weg bis zur Ausweisung des Nationalparks beschrieben. Auch einige Ortsnahe Greenpeace-Gruppen hatten sich dabei rege beteiligt. Anhand einer Zeitschiene berichtete Luis, wie die Umsetzung des Nationalparkgedankens, des noch aus zwei Teilen bestehenden Parkes, erfolgen soll. Viele Existenzängste galt es zunächst zu überwinden und auch jetzt noch in klärenden Gesprächen auszuräumen und die bewegenden Gedanken zu berücksichtigen. Mit der Ausweisung des Nationalparks ist die Gestaltung noch nicht abgeschlossen. Die interessierte Bevölkerung wird mittels Workshops, Führungen und Online-Beteiligungen in die Entscheidungsprozesse mit einbezogen. So kam dann auch hin und wieder der Borkenkäfer an sich, als Schädling und auch als Nützlicher Helfer des Nationalparks ins Gespräch. Dabei wird in der Entwicklungs-und Managementzone (Randzone/Schutzgürtel) darauf geachtet, von Borkenkäfer befallene Bäume frühzeitig zu entfernen, um den außerhalb angesiedelten Wirtschaftswald zu schützen.

Interessant war dabei auch die Unterschiede zwischen Naturpark, Biosphärengebiet, Naturschutzgebiet und Nationalpark zu hören. Während der Naturpark im Grunde genommen ein Erholungspark für die Menschen, mit großer Bewirtschaftung und ohne Naturschutzhintergründe ist, wird die Prämisse in Richtung Nationalpark auf Naturschutz (nicht zu verwechseln mit Artenschutz), also einer auf sich gestellten Natur, mit nur sehr geringer Bewirtschaftung, gelegt. So soll in den nächsten 30 Jahren die Kernzone des Nationalparks, sich selbst überlassen bleiben. Der Wald soll etwas wilder werden.

Mit diesen und noch viel mehr wissenswerten Informationen brachen wir dann gemeinsam bei schönem Wanderwetter, im Schatten vieler Wolken, zu den Grinden des Seekopf auf. Schon der Weg selbst wird von sehenswerten Pflanzen gerahmt. Während des Anstieges gibt es immer wieder kleine Pausen mit weiteren Informationen. Schön auf dem Weg bleiben ist dabei eine Aufforderung mit der Info, den Tieren ihre Ruhe zu lassen, denn aufgeschreckte Tiere benötigen viel mehr Energie und kommen dann kaum mit dem Fressen nach. Oder es gibt hier auch Kreuzottern auf den Flächen, die bei sonnigem Wetter an den offenen Stellen und Steinen von ruhigen Zeitgenossen gesichtet werden können. Anhand von mitgenommenen Plakaten und unserem Rundumblick, erläutert unser Nationalparkführer nochmals die Entstehungsgeschichte und die verschiedenen Zonen des Nationalparks, der seit dem 1. Jan. 2014 auf einer Fläche von 10.000 Hektar wilder werden kann.

Auf dem weiteren Weg wies uns Luis auf eine Grabstätte am Wegesrand hin. Hier liegt Julius Euting mit dem Beinamen Ruhesteinvater, da er dieses sein bevorzugtes Wandergebiet war. Anlässlich des Geburtstages des Bibliothekars und Orientalisten wird dort, seiner testamentarischen Verfügung gemäß, arabischer Mokka ausgeschenkt.

In der Zwischenzeit wurde für uns Älbler das Wandern so anstrengend, dass der liebe Herr uns zur Kühlung einen kleinen Regen sendete. Neugierig schwenkten wir in das Wildseewegle zum „Wilden See“ ein. Somit ging es mit uns Bergab. Über Stock und Stein und über Totholz - HAAAALT: „Totholz“ falscher Begriff meint Luis: „Der richtige Begriff sollte „Partyholz“ oder „Partymeile“ sein“. Nach einem Sturm kommen natürliche Entwicklungen im Wald in Gang, die "toten" und umgestürzten Bäume beginnen langsam zu vermodern. Pilze sind dabei vor allem bei der Holzzersetzung beteiligt in deren Folge die liegenden Stämme und Wurzelteller nach und nach morsch werden und zu fruchtbarer Erde für neues Wachstum junger Pflanzen werden. Dabei leben viele Tierarten auf der „Partymeile“, finden hier ein Zuhause (Wohngemeinschaft) und Nahrung. Im weiteren Verlauf kommen wir an der uralten Großvatertanne vorbei, deren Foto viele Greenpeace-Flyer zum Nationalpark geschmückt hat.

Die Schönheit der Natur wirkt am Besten in der Stille und auch trotz Regen. Am Wilden See angekommen genossen wir die Ruhe, den Blick in und über das bräunliche Wasser, oder rundum am Ufer entlang. Eine Unterart des Haubentauchers zeigte uns nur den kühlen Rücken und entschwand ins entferntere Ufer. Grillen und Schwimmen wäre hier schön. Doch verständlicherweise verboten, wie uns Luis anhand einiger Geschichten die das Leben schrieb aufzeigte.

Nach einem kleinen verweilen ging es dann Still, von der Aura beeindruckt langsam wieder das Wildseewegle zurück. Nach einer Weile der Ruhe nahm unser Schnaufen hörbar wegen des Anstiegs zu. Doch die Strecke hinauf schien kürzer als hinab zu sein. Oben angekommen schlugen wir den Weg zur Darmstädter Hütte ein, wo wir uns eine Erholungspause mit Erfrischung gönnten.

Der Rückweg über den Metaweg begann auch gleich im Regen, war aber bald hinter uns gebracht. Feucht bis nass am Ausgangspunkt angekommen, entschieden wir uns noch zu einem flammenden Abschluss am vegetarischen Grill. So langsam kamen die faszinierenden Eindrücke, die diese faszinierende Kulisse des Nationalparks bei uns hinterlassen hatte, im Gespräch, zum Vorschein. Vielleicht sollten wir am nächsten 31. Juli wieder kommen und einen Mokka geniesen.

 

Weiterführende Links

Nationalpark bei Greenpeace
Homepage Nationalpark Schwarzwald