Fünf Jahre nach der Katastrophe

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Am 11. März 2016 erinnerten wir in Reutlingen an den katastrophalen Atomunfall in Fukushima vor fünf Jahren. Mit einem großen Kerzenbild auf dem abendlichen Marktplatz gedachten wir der Opfer des Super-GAUs und informierten über die aktuelle Lage in Fukushima. Über 50 Passanten beteiligten sich an einer Postkartenaktion, die an die japanische Regierung gerichtet ist, um die Bevölkerung nicht weiter dem atomaren Risiko auszusetzen und alle Reaktoren endgültig abzuschalten. In jüngster Zeit wurden wieder drei Reaktoren ans Netz genommen, davor war das Land knapp zwei Jahre lang komplett atomstromfrei. Die japanische Regierung plant, die Entschädigungszahlungen an die Einwohner Fukushimas einzustellen und Zehntausende  evakuierte Menschen in die für Generationen verstrahlten Gebiete zurück zu siedeln. Dabei will die japanische Bevölkerung mehrheitlich keine Atomenergie mehr, die Abe-Regierung ignoriert jedoch den Willen der Bevölkerung.

Greenpeace ist seit der Katastrophe in Fukushima aktiv und nimmt Messungen der radioaktiven Strahlungsbelastung  in der Region vor. „Die Folgen von Fukushima werden noch Jahrhunderte andauern“, so Heinz Smital, Kernphysiker und Atomexperte von Greenpeace. „Hunderttausende Menschen sind betroffen, weite Regionen an der Ostküste Japans bleiben radioaktiv belastet. Die Abe-Regierung täuscht vor, alles unter Kontrolle zu haben. Doch das ist eine Farce und eine Missachtung der Opfer.“

Greenpeace Report belegt: genetische Mutationen bereits nachweisbar

Greenpeace legte kürzlich eine Analyse der gravierenden Umweltfolgen des Atomunfalls vor (siehe Link unten). Danach setzte der Super-GAU weiträumig langlebige radioaktive Elemente frei - wie Cäsium 137 und geringe Mengen Strontium 90 - die von Pflanzen und Tieren aufgenommen wurden. Durch Schneeschmelzen, Wind und Regen breitet sich die Kontamination aus der Vegetation in den Wäldern, im Süßwasser und in den Küstenökosystemen aus. Die Auswirkungen sind bereits sichtbar: Viele Bäume weisen Cäsium-Kontaminationen auf. Wissenschaftler fanden Mutationen sowohl in japanischen Tannen und Zedern, im Gras und in Schmetterlingspopulationen, DNA-geschädigte Würmer, Cäsium-Belastung in Süßwasserfischen, verminderte Fruchtbarkeit von Schwalben und radioaktive Kontamination eines der wichtigsten Ökosysteme – den Flussmündungen. 

Während nur 20 Prozent des radioaktiven Fallouts aus den explodierten Reaktoren auf die Landmasse niederging, ist die Verschmutzung enorm und weit verbreitet. Mehr als neun Millionen Kubikmeter Atommüll lagert derzeit an einigen Tausend Standorten in der Region Fukushima. Gereinigt wurden bewohnte Gebiete und schmale Streifen entlang der Straßen und der Waldränder. „Von den Bergen wird die Radioaktivität zurückkehren“, sagt Smital. „Ein Super-GAU lässt sich nicht einfach wieder aufräumen.“ 

 

Publikationen

Weiterführende Links

Umweltfolgen des Super-GAUs in Fukushima (Studie in englischer Sprache)
deutsche Zusammenfassung der Studie
Greenpeace Deutschland - Statusreport Fukushima, 5 Jahre danach